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Kosovaren in Sachsen

Bericht in den HEP-Informationen 1/04

Nachdem mehrere Einsätze im Kosovo stattgefunden hatten (verbunden mit Arbeit und Weiterbildungen vor Ort) entstand die Überlegung, den kosovarischen Mitarbeitern durch einen Aufenthalt in einer unserer Einrichtungen in Deutschland Möglichkeiten der Weiterbildung anzubieten. Um diese Zeit zu ermöglichen, bedurfte es vieler organisatorischer und finanzieller Vorbereitungen. Dazu kommt natürlich, dass ein Aufenthalt in Deutschland für unsere Freunde etwas Besonderes ist.

Wir trafen uns zunächst zur Jahrestagung der Hilfsorganisation und konnten so gemeinsam viele Dinge besprechen und die kosovarischen Mitarbeiter etwas in Deutschland „einführen“. Danach fuhren wir gemeinsam von Albshausen (bei Wetzlar) nach Großhennersdorf in der Oberlausitz, dem Einsatzort für die nächsten beiden Wochen. Bereits auf dieser Fahrt wurden unterschiedliche „Normalitäten“ bekannt – allein durch den unterschiedlichen Erfahrungsschatz von Entfernungen und somit der Dauer von Autofahrten. Obwohl die Dauer der Reise (ca. 6 Stunden) mehrmals angekündigt worden war, wurde ich bereits nach 30 Minuten (!) mit der Frage konfrontiert „wo denn jetzt hier Großhennersdorf wäre …“ Tatsächlich haben wir dann am Abend den Katharinenhof in Großhennersdorf erreicht.

Gleich am nächsten Tag begann der Einsatz im Katharinenhof, einer Teileinrichtung im Diakoniewerk Oberlausitz e.V. Zunächst fanden eine Führung und Einweisungen in die Einrichtung und die Arbeitsgebiete statt. Danach begann der Einsatz auf Wohngruppen mit schwerstmehrfach-behinderten Bewoh­nerInnen. Relativ schnell konnten unsere Gäste Kontakte aufnehmen und begannen so nach und nach bestimmte Aufgaben zu übernehmen. Dazu gehörten u.a. pflegerische Verrichtungen, Essen geben, aber auch Spaziergänge und die Begleitung der Behinderten zu speziellen täglichen Angeboten wie Gruppenförderung, Schule, Arbeit und Wahrnehmung verschiedener fachdienstlicher Termine.
Darüber hinaus ging es auch darum, strukturelle Besonderheiten, Arbeitsabläufe und Arbeitszeiten entsprechend den gängigen und notwendigen Bedingungen kennen zu lernen und diese genauso wahrzunehmen – auch was die Themen „Bedingungen, Aufgaben und Belastungen für die MitarbeiterInnen in einer Einrichtung für Menschen mit geistigen Behinderungen“ bedeuten. Dabei wurde u.a. deutlich, dass es unterschiedliche Herangehensweisen und Vorstellungen aufgrund un­ter­­­schiedlicher kultureller, gesellschaftlicher und geschichtlicher Voraussetzungen gibt. Dieses bezieht sich vor allem auf die Themen Arbeitszeiten (z. B. Beginn auf einer Wohngruppe 6.00 Uhr!), Dauer eines Arbeitstages und Arbeitsintensität. Wichtig war dabei, sich über diese Unterschiedlichkeiten auszutauschen, da diese ja sehr verschieden entstanden sind. Darauf aufbauend konnten diese Notwendigkeiten erkennbar gemacht – und somit auch praktisch umgesetzt werden. Von Tag zu Tag konnten sich die kosovarischen MitarbeiterInnen immer besser mit diesen Strukturen vertraut machen und den damit verbundenen Belastungen Stand halten.
Neben dem Einsatz in Wohngruppen hatten sie auch die Möglichkeiten Fachbereiche kennen zu lernen. So hospitierten sie auch in den Bereichen Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie. Außerdem nahmen sie an Freizeitveranstaltungen und Bildungsveranstaltungen teil. Somit war ein Kennenlernen und Teilnehmen im Querschnitt möglich und es wurde die Bandbreite der Lebensbereiche erlebt. Das bedeutete aber auch, dass bei soviel Neuem die Belastungen Spuren hinterliesen.
Weiterhin stand das Thema Dokumentation für alle Einsatzgebiete und Einsatzzeiten auf dem Programm. Aufgrund von speziellen Aufgaben und Fragestellungen fertigte jeder eine persönliche Dokumentation als Grundlage für Auswertungen und Reflexionen – aber auch als Quelle für ihre Arbeit im Kosovo an.

Neben diesen täglichen Einsätzen und Aufgaben, war es auch wichtig, Begegnungen und Besonderheiten über die Arbeit hinaus kennen zu lernen. So waren Besuche im privaten Bereich, Wanderungen, Konzertbesuche und natürlich Stadtbummel mit Einkaufsmöglichkeiten in Zittau und Görlitz ebenso wichtig und ergänzten das Programm. Dabei soll nicht unerwähnt bleiben, dass von uns allen die sprachlichen Unterschiede gemeistert und überbrückt werden mussten. Wir verständigen uns in Englisch, aber auch z.T. in Deutsch. Meine Bemühungen über die albanische Sprache Gemeinsames zu besprechen waren dann doch eher Versuche …

Insgesamt war es eine sehr intensive gemeinsame Zeit. Unsere Gäste waren sehr froh darüber, dieses Praktikum durchführen zu können und hatten bei der Abreise nach eigenen Aussagen sehr viele gute, interessante und wichtige Erfahrungen und Erkenntnisse im Gepäck. Insgesamt kann gesagt werden, dass dieses Informations- und Weiterbildungspraktikum sehr gut angenommen war und auch Auswirkungen für die Behindertenarbeit im Kosovo hat. So kamen bereits Wünsche nach Wiederholung bzw. Erweiterung solch einer Praktikumszeit, wie auch nach Erweiterung der Anstellung bei der Hilfsorganisation um die Arbeit des ambulanten Behindertendienstes sowohl zeitlich als fachlich weiter zu intensivieren.

Da dies aber abhängig von den zur Verfügung stehenden Fachkräften und den finanziellen Mitteln ist, möchte ich an dieser Stelle die Möglichkeit nutzen, erneut für dieses Projekt zu werben.
Denken sie bitte daran, dass im Kosovo diese Arbeit für die Menschen mit Behinderungen nach wie vor von unseren Spenden abhängig ist.
Im März werde ich für kurze Zeit wieder im Kosovo weilen und dieses Projekt mit meinen Kollegen weiter begleiten und auf diese Erfahrungen aufbauen. Natürlich werde ich Sie auch in Zukunft über Weiterentwicklungen informieren.

Vielen Dank für Ihr Interesse

Mit freundlichen Grüßen

Johannes Tittel
Landesverband Sachsen 

Weiterbildung in Kosova

Bericht in den HEP-Informationen 2/04

Nachdem drei kosovarische MitarbeiterInnen im vergangenen Jahr zum Praktikum in Sachsen weilten (s. Heft 1/04), war ich mit der Leiterin der Hilfsorganisation Judith Schürmann im März für 10 Tage wieder in Kosova.
Es schien zunächst nicht der günstigste Zeitraum zu sein, da wenige Tage zuvor Unruhen im Land ausbrachen und wir unsicher waren, ob wir überhaupt ins Land können. Doch es zeigte sich, dass bei unserem Eintreffen die Lage im wesentlichen wieder ruhig war, zumal in dem Gebiet um Malisheva es sowieso keine Schwierigkeiten gab. Dennoch gab es natürlich viele Gespräche zur aktuellen Lage und zu den Aussichten für die Menschen und für das Land, die z.T. sehr unterschiedlich wahrgenommen werden. So konnten wir also doch sehr intensiv unsere Arbeit vor Ort durchführen. Wir besuchten wieder viele Familien mit ihren geistig behinderten Angehörigen und versuchten die Möglichkeiten der Förderung und Begleitung weiter auszuloten, zu intensivieren und zu verbessern. Dabei konnte ich wiederholt feststellen, dass diese Arbeit so nach und nach wirklich Früchte trägt.
Das bedeutet, dass Angehörige jetzt doch sehr offen werden für die Fragestellungen und Möglichkeiten. Darüber hinaus entwickelt sich langsam auch die Möglichkeit, behinderte Menschen von zu Hause abzuholen und in einem Zentrum für diese Arbeit für einige Stunden speziell zu betreuen. Die ersten Erfahrungen damit sind sehr positiv und geben Anlass weiter daran zu arbeiten.

Schwerpunkt unserer Arbeit diesmal aber war das Thema Weiterbildung auf dem Bereich der Dokumentation als Grundlage für die weitere und vor allem gezieltere Arbeit, Förderung und Betreuung. Alles zusammen ergab offensichtlich eine weitere Stärkung der Motivation unserer MitarbeiterInnen vor Ort, die gern noch mehr arbeiten möchten. Das hat zur Folge, dass wir versuchen wollen und müssen, dass sie auch mehr Verantwortung übernehmen sollen.
Eine umfangreichere Anstellung bedeutet aber zugleich höhere Kosten, wofür wir nach wie vor auch auf Ihre Spenden angewiesen sind. Außerdem sind nach wie vor Gelder für die Anschaffung von Lagerungshilfsmitteln, didaktischem Material, z.B. auch Orffsche Instrumente und auch für „Pampers“ nötig. Nicht zu vergessen ist dabei, dass dieser ambulante Behindertendienst nur mit dem Einsatz von entsprechenden Fahrzeugen durchgeführt werden kann. Da die Besuche nach wie vor in abgelegenen Dörfern stattfinden und dorthin es nur sehr schlechte Straßen gibt, haben die Fahrzeuge einen sehr hohen Verschleiß. Somit wäre z. B. der Einsatz von Geländefahrzeugen sehr sinnvoll und hilfreich.
Besonders danken möchte ich den Landesverbänden Thüringen und Baden-Württemberg die in der letzten Zeit für diese Arbeit gespendet haben.
Dadurch konnten wir bereits u.a. eine wichtige Lagerungshilfe (Knautschsack) anschaffen und jetzt auch einsetzen, was zu einer spürbaren Verbesserung der Lebensqualität gerade für schwerstbehinderte Menschen geführt hat. Vielen Dank dafür!
Sicher ist, dass die Arbeit vor Ort mit Ihrer Hilfe weitergeht! Wir werden in den nächsten Monaten mit Physiotherapeuten zusammenarbeiten und auch die Weiterbildungen fortsetzen. Außerdem wollen wir die Kontakte der Familien untereinander intensivieren und helfen diese Arbeit und die damit verbundenen Probleme auch stärker in die Gesellschaft zu integrieren. Dafür benötigen wir Ihre Hilfe!

Wenn Sie helfen wollen, können Sie nach vor auf das angegebene Konto spenden und sich an den Landesverband Sachsen melden.
Für weitere Fragen und spezielle Informationen stehe ich gern zur Verfügung.

Vielen Dank für Interesse für Ihre Zeit und Ihre Hilfe!

Im Namen des LV Sachsen

Johannes Tittel

Kosovo-Hilfe braucht langen Atem...

Bericht in den HEP-Informationen 4/04

Johannes Tittel berichtet über das Engagement im Kosovo.

Dank an alle Spender


Ende Oktober war ich wieder zu einem Kurzeinsatz in Malisheva, mitten im Kosovo. Es war die erste Woche nach den Wahlen. Viele Kosovaren verbinden mit dem Wahlergebnis die Hoffnung auf Verbesserung der allgemeinen Situation und der Entwicklung des Kosovo hin zur Selbständigkeit. Dennoch sind viele Probleme nach wie vor nicht geklärt, oder gar nicht angesprochen.
Um so wichtiger ist es, die Arbeit mit den Menschen mit Behinderungen, den Eltern und den MitarbeiterInnen vor Ort fortzusetzen und zu intensivieren!
Im Sommer waren zwei Physiotherapeuten aus Deutschland für zwei Wochen im Einsatz und führten die so dringenden Weiterbildungen und Anleitungen auf diesem Gebiet durch. Darauf aufbauend konnte ich im Herbst mit einer Kollegin aus der Schweiz sowie mit den kosovarischen MitarbeiternInnen weiter an Förderplänen und Dokumentationen sowie den Aufbau von Kontakten arbeiten und Besuche durchführen.


Daraus ergeben sich vielfältige fachliche und organisatorische Aufgaben, wie z.B. in den Bereichen Heilpädagogik, Physiotherapie, Elternarbeit, Kontakte mit öffentlichen Institutionen,... aber auch viele administrative Aufgaben, nicht zuletzt die Absicherung und Bereitstellung von Fahrzeugen.
Außerdem arbeiten wir auch weiterhin daran, den kosovarischen MitarbeiterInnen Weiterbildungen zu ermöglichen, die für die kontinuierliche Arbeit wichtig sind.
Es hat sich auch wieder gezeigt, dass die fachliche Anleitung und die Betreuung und Organisation dieser Arbeit unsererseits weiterhin unerlässlich ist. Um aber perspektivisch und gesellschaftlich-relevant vor Ort noch intensiver die Zusammenarbeit im Land zu fördern und die Verantwortung teilweise in zeitlich größeren Abständen übergeben zu können, wurde in dieser Zeit ein eigener kosovarischer Verein zur Förderung und Unterstützung in Malisheva mit viel bürokratischem Aufwand gegründet.

Dennoch wird noch für viele Jahre diese Arbeit von unserer aller Hilfe abhängig sein. Das bedeutet neben den beschriebenen Aufgaben weiterhin viel, viel Zeit zu investieren und eine sichere, kontinuierliche finanzielle Unterstützung zu gewährleisten.
Dazu gehören die Gehälter für die kosovarischen MitarbeiterInnen, Reisekosten, aber auch Transportkosten (für vielfältiges Material), Anschaffung oder Besorgung von Materialien für Förderung, Therapie, Pflege, Medikamente, sowie laufende Ausgaben für Sprit, Fahrzeugreparaturen, Mieten, u.v.a.m.
Äußerst wichtige Grundlage für diesen ambulanten Behindertendienst sind sichere, zuverlässige und entsprechende Fahrzeuge. Wir suchen derzeit einen möglichst relativ neues Geländeauto (Jeepversion), welches für längere Zeit die Fahrten auf schlechten Straßen und Zufahrtswegen aushält und auch im Winter regelmäßige Besuche bei den behinderten Menschen und ihren Familien ermöglicht!

Allen Spendern möchte ich für Ihre Unterstützung herzlich danken.
So spendeten u.a. verschiedene Landesverbände und TeilnehmerInnen der bundesweiten Fachtagung. Von diesen Geldspenden wurden bisher ein dringend benötigter Knautschsack angeschafft, sowie die anfallenden Gehälter gezahlt.
Gleichzeitig möchte ich Sie bitten, diese Arbeit weiterhin zu unterstützen. Das Kosovo-Projekt, die Menschen mit Behinderungen und die MitarbeiterInnen sind weiterhin auf ihre Hilfe angewiesen.
Dafür können sie viel tun denn wie schon eingangs gesagt: Die Hilfen brauchen einen langen Atem... Vielen Dank!


Mit freundlichen Grüßen

Johannes Tittel