7. bundesweite Fachtagung
Geistig behindert...alt...dement
Berlin / Hotel Sylter Hof
25. – 27.10.2010
Alle Informationen zu den Vorträgen und Workshops der Fachtagung lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der HEP-Informationen 4/10. Einen kleinen Einblick erhalten Sie hier.
Referenten und Workshops:
Prof. Dr. Michael Seidel
„Fachliche Anforderungen an Mitarbeitende auf dem Hintergrund des
demographischen Wandels sowie des konzeptionellen und strukturellen
Wandels der Behindertenhilfe“
Das Berufsbild der Heilerziehungspflege ist m. E. die Schlüsselqualifikation der Behindertenhilfe – allerdings unter der Voraussetzung, dass sowohl heilpädagogische als auch pflegerische Kompetenzen in der Ausbildung sachgerecht vermittelt wurden. Demzufolge wurden viele der folgenden Ausführungen implizit oder explizit im Hinblick auf die Anforderungen an die Heilerziehungspflege als Berufsbild formuliert. (...)
Demographischer Wandel
Der relative Anteil der Bevölkerung jenseits des Erwerbalters wächst, der relative Anteil der Bevölkerung im Erwerbsalter sinkt. Auch die Teilpopulation von Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung bildet mittlerweile – mehr als 65 Jahre nach den Mordaktionen der Nationalsozialisten an behinderten Menschen
– eine mehr oder minder vollständige demographische Alterstruktur ab. (...)
Pflege und Eingliederungshilfe
Im Rahmen stationärer Behindertenhilfe muss die Pflege im notwendigen Umfang und mit der gebotenen Qualität
sichergestellt werden. Die Sicherstellung von Pflege richtet sich dabei nach den Inhalten der jeweiligen Landesrahmenvereinbarungen und einrichtungsindividuellen Leistungsvereinbarungen. Grundsätzlich muss Pflege dabei als konzeptioneller Bestandteil von Behindertenhilfe verstanden werden. (...)
Pflege in der Behindertenhilfe
Der zunehmende Bedarf an Pflege in der (stationären) Behindertenhilfe stellt hohe Anforderungen an die pflegerische Kompetenz der Mitarbeítenden und an die Qualitätssicherung. Da es weder praktisch umsetzbar noch inhaltlich sinnvoll ist, Pflege in der Behindertenhilfe durchgängig auf Pflegefachkräfte im engen Sinne zu übertragen, müssen grundsätzlich alle Mitarbeitenden für die Übertragung von Pflegeaufgaben in Betracht gezogen werden. (...)
Dr. Ulf-Henning Janssen
„Geistige Behinderung und Alter“ – eine neue Herausforderung (nicht nur) für die Heilerziehungspflege!
Kurzer historischer Abriss oder: Die Entdeckung der Alten
Im Spätmittelalter wurden Menschenmit geistiger Behinderung vorwiegend interniert und eingesperrt. Beispielhaft seien hier Narrenkäfige, Türme der Stadtmauern, Narrenhäuschen, Pesthäuser, Spitäler, Irrenzellen, Spitäler mit Tollhäusern undeigenständige Tollhäuserangeführt. (...)
Was das Alter heute problematisch macht oder:
Der alte Mensch zwischen den Mühlsteinen der Gesetze
Die Lebensphase „Alter“ führt zu neuen Bedingungen aber auch Herausforderungen der Behindertenhilfe alter Prägung. Sie ergibt aber auch einen hohen sozialpolitischen Bedarf. Altersangemessene Tagesstrukturierung in den Bereichen Wohnen und Freizeitgestaltung sind entscheidende Stichworte, wenn das Erwerbsleben zu Ende geht. (...)
Eingliederungshilfe oder Ausgrenzung durch Pflege
Sozialpolitisch ist es erforderlich, der verhängnisvollen Tendenz der Politik entgegenzuwirken, um zu verhindern, dass „Alter“ als reiner Pflegebegriff verstanden wird, der im Bereich der Pflegeversicherung ebenso gut aufgehoben sei, weshalb die Eingliederungshilfe ab einem bestimmten Alter (Schleswig-Holstein: 60 Jahre!) nicht mehr benötigt werde. Aufgrund der bedeutsamen Unterschiede zwischen alten Menschen ohne und alten Menschen mit geistiger Behinderung ist im letzen Fall der Eingliederungshilfebedarf jedoch ganz besonders hoch. (...)
Formen der Begleitung alter Menschen unter besonderer Berücksichtigung der geistigen Behinderung
Schlussendlich ist es erforderlich, auch und gerade für Menschen mit (geistiger) Behinderung neue Wohn- und Lebensformen zu entwickeln, die – sehr zögerlich – derzeit auch für Menschen im Alter ohne Behinderung entwickelt werden. (...)
Forderungen für die Zukunft oder: Was sich in der Heilerziehungspflege tun muss
(...) Konsequenz hieraus muss die Weiterentwicklung der Berufsbilder sein, um dem Assistenzbedarf der Betroffenen hinreichend Rechnung tragen zu können und zu einem Verständnis der jeweiligen Lebenslagen zu kommen. (...)
Gisela Gehrmann
„Geistig behindert und auch noch dement – was nun?“
Die Demenz wird zur herausragenden Erkrankung in der zukünftigen Behindertenarbeit. Deshalb sind auch Heilerziehungspfleger gefordert, sich mit einem für diese Berufsgruppe neuen Krankheitsbild intensiv auseinander zu setzen. Menschen mit geistiger Behinderung sind deutlich jünger, wenn sich eine Demenz entwickelt. Menschen mit Down-Syndrom beispielsweise haben schon im Alter von 50 Jahren eine Erkrankungswahrscheinlichkeit wie sonst
80- und 90jährige. Rund 25 %! (...)
Einteilung der Demenzen
Die primären Demenzen sind direkte hirnorganische Zerstörungen. Bei den sekundären Demenzen gibt es andere Ursachen, die zur Verwirrtheit führen und zum großen Teil behandelbar sind. Beispielsweise können unbehandelte Schilddrüsenunterfunktionen, schwere Depressionen, verschiedene Medikamente, Hirntumore, Entzündungen
u.a.die typischen Symptome einer Demenz verursachen. (...)
Demenzen verstehen, heißt die Menschen verstehen
Staatliche Fachschule Heilerziehungspflege Berlin
„Geistig behindert … alt … dement – einfach praktisch“ Reflektion des am Vortag stattgefundenen Musicals der Studierenden
„Ein ganz normaler Tag“
Was passiert, wenn eine HEP – Klasse ihren Arbeitsalltag zum Musical macht?
Erzählt wird die Geschichte von Horst und seiner Wohngemeinschaft. Es werden die Höhen und Tiefen des beruflichen Alltags eines Heilerziehungspflegers dargestellt. Im Rahmen der Ausbildung zum HEP widmet sich die Teilzeitklasse in diesem Musical den Arbeits- und Lebensbedingungen ihres Berufsfeldes in satirischer Art und Weise. Die Ideen und ihre Umsetzung wurden durch Studierende und Dozenten in Eigenregie erarbeitet und verwirklicht.
Anne Roll
„Menschen mit Down-Syndrom und Demenz“
Die Anzahl von Menschen mit Down-Syndrom und Demenz ist gegenwärtig noch gering, wird in den nächsten Jahren aber deutlich steigen. In diesem Beitrag wird der person-zentrierte Ansatz zum Umgang mit Menschen mit Demenz nach Tom Kitwood vorgestellt. (...)
Der Zusammenhang von Demenz und Down-Syndrom
Das Wissen über Menschen mit Down-Syndrom und Demenz ist bislang sehr gering. Während die Anzahl älterer Menschen mit Demenz schon seit vielen Jahren ansteigt und die Konsequenzen, die daraus entstehen, in Wissenschaft und Politik diskutiert werden, wurden die Konsequenzen des Alterns für Menschen mit geistiger Behinderung bislang wenig beleuchtet. Das geringe Interesse an dieser Zielgruppe hat drei wesentliche Gründe. (...)
Diagnoseverfahren für Menschen mit Demenz
Aufgrund der zunehmenden Bedeutung der Demenz in „alternden“ Gesellschaften, kommt den Diagnoseverfahren
eine große Bedeutung zu. Allerdings gibt es gegenwärtig in Deutschland keine umfassend geprüften Instrumente zur
Erfassung von Alzheimer-Symptomen bei Menschen mit Down Syndrom. Die existierenden Diagnoseverfahren für
Demenz sind Instrumente, die das Ausmaß der Leistungseinschränkungen in den Bereichen Kognition, Gedächtnis,
Sprache und Wahrnehmung messen. Ein sehr bekanntes und in der Praxis häufig genutztes Instrument ist der Mini-Mental- Status-Test (MMST oder MMSE; Folstein Marshal F. et al. 1975). (...)
Pflege und Demenz
In Deutschland wird der Demenz sowohl in der Pflegepraxis wie auch in der Pflegewissenschaft verstärkt Aufmerksamkeit zuteil. Vor dem Hintergrund eines wachsenden Anspruchs an die Versorgung alter Menschen suchen Altenheime, Hausgemeinschaften und Wohngemeinschaften nach neuen Wegen, um Menschen mit Demenz besser betreuen zu können. Herausforderndes Verhalten wie beispielsweise Agitation, Herumgehen, Aggressivität, Vokale Störungen und Apathie von Menschen mit Demenz stellen die Pflegepraxis dabei vor besondere Herausforderungen. (...)
Der person-zentrierte Ansatz nach Tom Kitwood
Tom Kitwood war ein englischer Sozialpsychologe und Psychogerontologe. Bis zu seinem Tod 1998 hat an der Universität Bradford gelehrt. Er ist der Begründer des person-zentrierten Ansatzes. Seiner Überzeugung nach können sich Menschen mit Demenz trotz schweren kognitiver Einschränkungen dennoch wohlfühlen. (...)
Dr. Michael Wunder
„Behinderte Alte oder alte Behinderte – zu Fragen der Gleichheit und der Differenz“
Neben den Referenzen und die "Entdeckung eines Themas, hat Dr. Michael Wunder u.a. zu folgenden Themen berichtet und Stellung bezogen:
- Verständnis von "Alter"
- Alte Menschen mit Behinderung in Heimen der Behindertenhilfe
- Der demographische Wandel kommt verspätet in den Einrichtungen der Behindertenhilfe an
- Alte Behinderte und andere alte Menschen
- Anforderung an die Gestaltung der Lebensumwelt alter Behinderter
- Gleichheit und Differenz in der Begleitung sterbender Menschen mit Behinderung
Wir möchten allen Referenten und Teilnehmern der 7. bundesweiten Fachtagung herzlich danken. Sie alle haben dazu beigetragen, dass diese Fachtagung das wurde was sie war. Ein Erfolg.
Danke auch allen Beteiligten für die Organisation und den reibungslosen Ablauf.
