Bericht aus Kosovo – der Republik Kosovo!
Bericht in den HEP-Informationen 3/08Vom 2. Bis 6. Juni war ich mit meiner Kollegin Judith Schürmann zu einem Einsatz in der Region Malisheva im Kosovo. Es war unser erster Besuch, seitdem im Februar die Republik Kosovo ausgerufen wurde. Mit vielen Fragen, Hoffnungen und großer Gespanntheit kamen wir ins Land. Wird sich inzwischen etwas geändert haben in der Gesellschaft und bei dem von uns betreuten ambulanten Behindertendienst?
Zur allgemeinen Lage möchte ich an dieser Stelle nur einen oft gehörten Kommentar anbringen, der die Situation denke ich ganz gut wiedergibt: „Einen eigenen Staat haben wir nun bekommen, nun gilt es, ihn zu erhalten und aufzubauen. Wenigstens wissen wir nun, für wen und was wir uns engagieren“. Das hat auch Auswirkungen auf unsere kosovarischen Mitarbeiter vor Ort die jetzt sehr viel Engagement und Eigeninitiative zeigen. Das zeigte sich u.a. in der selbstbewussten Gesprächsführung mit offiziellen Stellen, strukturierte Vorstellung ihrer Arbeit und Vertretung ihrer Anliegen.
Ermutigend für uns war u.a. ein Gespräch mit dem neuen Bürgermeister, der uns empfahl einen Antrag auf finanzielle Unterstützung an die Kommune zu stellen, dem wahrscheinlich auch zugestimmt würde. Das wäre natürlich sehr schön, wäre doch zum Beispiel eine Übernahme von Fahrtkosten eine wichtige Unterstützung ein Schritt in die richtige Richtung. Des Weiteren versuchen wir weiter über einen privaten Investor Unterstützung zu erlangen.
Unter dem Namen „Specialistika“ entstand ein neues Haus. Darin befinden sich zurzeit eine Apotheke und ein Raum für medizinische Behandlungen. Diese Dienste können für unsere Betreuten mit genutzt werden und darüber hinaus soll es in Zukunft auch personelle und fachliche (medizinisch-pflegerische) Unterstützung und Zusammenarbeit geben. Außerdem hatten wir zwei Treffen mit Vertretern der Cimic (ziviler Bereich der Kfor), die sich sehr interessiert an der Behindertenarbeit zeigten, regelmäßige Kontakte zu unseren Mitarbeitern pflegen und uns gern soweit wie möglich unterstützen wollen.
Nun noch etwas zur eigentlich praktischen Arbeit, zur derzeitigen Situation der Behindertenarbeit die vor Ort geleistet wird. Die Zahl der regelmäßig betreuten Klienten liegt nach wie vor bei ca.25. Diese werden nach den vorhandenen Möglichkeiten betreut und gefördert. Aber leider gibt es auch immer wieder Todesfälle unter den betreuten Menschen mit Behinderungen, die es unter den Bedingungen in Deutschland mit Sicherheit nicht geben würde. Ein Klient starb durch die Verwahrlosung zu Hause, die chronische Unterernährung und die Überforderung der Familie. Leider konnten unsere Mitarbeiter trotz täglicher Besuche mit Essen bringen und darreichen, Wunden verbinden und Versuche die Familie zu aktivieren den Tod auch nicht verhindern. Wie unterschiedlich die Erlebnisse mit Angehörigen sind möchte ich an dieser Stelle noch durch einen Auszug aus meinem Tagebuch verdeutlichen:
Die Schwester eines möglichen Klienten kam ins Büro und bat um Hilfe. Bukurie (kosovarische Mitarbeiterin) entschied, zunächst mal den Klienten zuhause zu besuchen wofür ich ihr noch einige Ratschläge gab. Nachdem die Besucherin gegangen war, sagte Bukurie, dass es wahrscheinlich wieder mal darum ging, dass ich den Klienten mit nach Deutschland nehmen sollte. Anschließend machten wir noch einen Klienten-Erstbesuch bei Qlirim in einem weit entfernten Dorf hinter Turjake. Dieser Besuch war u.a. deshalb sehr positiv, da ich selten einen so aufgeschlossenen und engagierten Vater für seinen behinderten Sohn erlebt habe. Er verabschiedete uns mit den Worten: "Auch wenn ich auf Arbeit bin (ist Polizist) könntet ihr jederzeit kommen, ich möchte, das mein Sohn etwas dazu lernen kann."
Die Schwester eines möglichen Klienten kam ins Büro und bat um Hilfe. Bukurie (kosovarische Mitarbeiterin) entschied, zunächst mal den Klienten zuhause zu besuchen wofür ich ihr noch einige Ratschläge gab. Nachdem die Besucherin gegangen war, sagte Bukurie, dass es wahrscheinlich wieder mal darum ging, dass ich den Klienten mit nach Deutschland nehmen sollte. Anschließend machten wir noch einen Klienten-Erstbesuch bei Qlirim in einem weit entfernten Dorf hinter Turjake. Dieser Besuch war u.a. deshalb sehr positiv, da ich selten einen so aufgeschlossenen und engagierten Vater für seinen behinderten Sohn erlebt habe. Er verabschiedete uns mit den Worten: "Auch wenn ich auf Arbeit bin (ist Polizist) könntet ihr jederzeit kommen, ich möchte, das mein Sohn etwas dazu lernen kann."
Die Bitte nach Unterstützung bleibt bestehen! Neben der noch notwendigen Finanzierung der Gehälter für die wir nach wie vor um Unterstützung bitten, ist die Arbeit akut gefährdet, wenn nicht ein entsprechendes Fahrzeug zur Verfügung steht.
Ein neues Einsatzfahrzeug wird ganz dringend benötigt. Es muss kein Geländefahrzeug mehr sein, da unterdessen fast alle Lokalstrassen in die Dörfer asphaltiert sind. Vierradantrieb sollte jedoch wegen den schlechten Verhältnissen im Winter vorhanden sein. Ein gebrauchtes Auto darf nicht älter als 8 Jahre sein für den Import, zudem sollte der Zustand so gut sein, dass nicht laufend mit Reparaturkosten gerechnet werden muss.
Wir hoffen, dass die Arbeit mit und für unsere Betreuten mit Ihrer Hilfe weiter vor Ort durchgeführt werden kann und die Schritte in die Selbständigkeit weitere Früchte tragen.
Mit freundlichen Grüßen
Johannes Tittel
Ein neues Einsatzfahrzeug wird ganz dringend benötigt. Es muss kein Geländefahrzeug mehr sein, da unterdessen fast alle Lokalstrassen in die Dörfer asphaltiert sind. Vierradantrieb sollte jedoch wegen den schlechten Verhältnissen im Winter vorhanden sein. Ein gebrauchtes Auto darf nicht älter als 8 Jahre sein für den Import, zudem sollte der Zustand so gut sein, dass nicht laufend mit Reparaturkosten gerechnet werden muss.
Wir hoffen, dass die Arbeit mit und für unsere Betreuten mit Ihrer Hilfe weiter vor Ort durchgeführt werden kann und die Schritte in die Selbständigkeit weitere Früchte tragen.
Mit freundlichen Grüßen
Johannes Tittel
