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Kosovo-Projekt – Wege zur Eigenständigkeit

Bericht in den HEP-Informationen 2/06

Wie bereits mehrfach an dieser Stelle berichtet, unterstützen wir über kooperierende Hilfsorganisationen den Aufbau der Behindertenarbeit im Kosovo.
Neben verschiedenen Unterstützungsmöglichkeiten (materiell, finanziell, personell) – die weiterhin nötig sind – stehen mittlerweile folgende Ziele im Vordergrund:
Die Weiterbildung der kosovarischen MitarbeiterInnen und die Einbindung dieses ambulanten Behindertendienstes in vorhandene, vergleichbare förderliche Strukturen.
Für die qualitative Verbesserung der Arbeit war es sehr hilfreich und erfreulich, dass das kosovarische Mitarbeiterteam im Februar diesen Jahres zum zweiten Mal nach Deutschland kommen konnte, um in Einrichtungen der Behindertenhilfe zu hospitieren, zu lernen und zu arbeiten. Über die Erfahrungen in dieser Zeit schreibt Albrim, einer der kosovarischen Mitarbeiter, u.a. Folgendes:
Für mich war es eine wunderbare Gelegenheit, zu sehen und zu lernen wie im Bereich der Physiotherapie gearbeitet wird. Am ersten Tag erschien es mir schwierig mich zurecht zu finden. Aber dank meinem Begleiter Roland fühlte ich mich dann sehr frei Fragen zu stellen. Das hat mir geholfen, im Bereich Physiotherapie Fortschritte zu machen.
So fiel es mir nachher auch leichter, da vieles bereits bekannt war und wir auch die Gebäude und Räumlichkeiten sowie die Klienten und Mitarbeiter kannten. Für mich war besonders die Art und Weise interessant, wie die Klienten von ihren Wohnstätten zu ihren Arbeitsorten oder zur Physio gebracht wurden.
Ich kann wirklich sagen, dass diese Investition sich voll gelohnt hat, denn ich konnte vieles sehen und lernen, was uns nützlich sein wird bei unserer Arbeit in Malisheva. Nun haben wir viele neue Ideen und ein breites Repertoire, wie wir das Erlebte auch bei der Arbeit mit unseren Menschen mit Behinderungen anwenden können.
Ich möchte all denen danken, welche uns geholfen haben, um dieses Praktikum in Deutschland durchführen zu können!

Vielen Dank!

Als ein Beispiel dafür, dass die Eigeninitiative nun auch vor Ort z.T. selbst übernommen wird, steht die Durchführung eines weiteren Festes für und mit Menschen mit geistigen Behinderungen sowie deren Angehörigen in der Kommune Malisheva im Kosovo. Auch dazu möchte ich das kosovarische Mitarbeiterteam selbst berichten lassen:
Der 28. November ist der „Tag der Fahne“, den alle Albaner in Kosova feiern. Warum sollten wir ihn nicht auch mit unseren Klienten feiern? Nach viel Arbeit und Mühe war dann dieser Tag da. Wir waren etwas beunruhigt, denn es war kalt und war nicht sicher ob die Klienten kommen würden.
Ab 10.00 Uhr trafen unsere Gäste ein. Bei der Vorbereitung erschien mir der Saal noch sehr groß, aber jetzt, da er sich mit Gästen zu füllen begann, erschien er beinahe zu klein. Wir waren wirklich berührt in diesem Moment.
Nun begannen wir das Programm indem wir, Fatime und Albrim, das Wort ergriffen. Für die Unterstützung dankten wir der Organisation „Lachen und Helfen“. Danach sprach Dr. Rexhep Kuqi und begrüßte die KFOR, die Klienten, die Gäste und MedNa als durchführende Organisation. Auch ein Vater eines geistig behinderten Kindes sprach und bedankte sich großem Lob über unsere Arbeit.
Danach gab es ausreichend Zeit und Möglichkeiten der Begegnung und zum Austausch...
Für uns war es das erste Mal, das wir so einen Tag ganz ohne fremde Hilfe organisiert und durchgeführt haben. Besonders freute es uns und erfüllte uns mit Stolz, das wir so viel positives Echo bekamen und uns bestätigt wurde, dass wir die Einzigen in der Kommune Malisheva seien, die so etwas durchführen …
Da ich selbst im April wieder für eine Woche in Malisheva war, möchte ich auch noch kurz aus eigenem Erleben berichten. Wir führten in dieser Zeit gemeinsam mehrer Gespräche mit verschiedenen Institutionen (Kommune, Ministerium, priv. Vertretern) um wie schon anfangs erwähnt, Möglichkeiten der Einbindung in lokale Strukturen anzustreben. Diese Gespräche waren doch teilweise Recht mühsam und es braucht auch noch viel kontinuierliche Arbeit und Kommunikation miteinander, um dieses Ziel zu erreichen.
Des Weiteren ging natürlich die alltägliche Arbeit mit Klientenbesuchen weiter. Dabei ist festzustellen, dass es nach wie vor viel, viel beständige Unterstützung für Klienten und Familien bedarf. Darüber hinaus beschäftigte uns mal wieder das Fahrzeugproblem sehr stark!
Da dieser Dienst absolut auf ein sicheres(!) Fahrzeug angewiesen ist, mussten wieder Reparaturen durchgeführt werden, die Kosten hierfür betrugen ca. 600, – €. Diese waren aber dringend nötig, um die kontinuierliche Fortsetzung der Arbeit zu ermöglichen. Außerdem ist die Entlohnung der Mitarbeiter vor Ort nach wie vor sicherzustellen! Dazu möchte ich nochmals an den letzten Bericht (Heft 4 /2005) erinnern.

An dieser Stelle möchte ich mich Namen der kosovarischen Mitarbeiter für die bisher erteilte Unterstützung bedanken. Vielleicht können Sie diese Arbeit auch in Zukunft mit einer Spende oder einer Patenschaft weiter unterstützen.


Johannes Titel