Kosovo-Hilfstransport-Bericht
Bericht in den HEP-Informationen 3/01Über ein halbes Jahr ist nun vergangen seit unser Artikel „Behindertenarbeit im Kosovo - Projekte und Probleme“ im HEP-INFO 4/00 zu lesen war. Für alle Interessenten hier ein ausführlicher Bericht wie es vor Ort weitergegangen ist und wie der LV Sachsen dazu beigetragen hat. Beginnen möchte ich mit der Basisstation von MNA (Medizinische Nothilfe Albanien) in Carralluka/Malisheva:
Ursprünglich war nur daran gedacht bis Ende März dieses Jahres das Projekt zu unterhalten. Im Januar bekam die MNA eine zweckgebundene Spende vom „Albanian Encouragment Projekt (AEP)“ - einer Dachorganisation von christlichen Werken und Gemeinden in Albanien - in Höhe von 29500 US-Dollar. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass das Projekt um 18 Monate verlängert und noch wesentlich ausgebaut werden konnte. Die Ziele und Aufgaben bestehen in der Betreuung von geistig und/oder körperlich behinderten und chronisch kranken Patienten. Das betrifft die Unterstützung und Beratung der Angehörigen sowie die Organisation von diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen, die Vermittlung von Kontakten zu anderen Organisationen, Gesundheitsförderung und Prävention in den Familien sowie Hilfen in Krisensituationen. In dieses Projekt konnten auch kosovarische Pflegekräfte miteingebunden werden.
Dies konnte ich am 21.3.01 zur Mitgliederversammlung den Teilnehmerinnen berichten und natürlich auch die wesentlichste Rückmeldung, die ich von Hans-Georg Matthes dem Fachbereichsleiter "Wohnen" im Katharinenhof zu o.g. Artikel erhalten hatte, mitteilen.
Er hatte den Vorschlag gemacht, einen abgeschriebenen Bus der "handikos"-Organisation anzubieten. Das Angebot wurde angenommen und jetzt galt es zu überlegen, wie der FORD-Bus an Ort und Stelle kommt. Sibille Franke und Johannes Tittel waren bereit mitzufahren.
Der Spendenaufruf hatte eine Summe von 210 DM ergeben. Wir überlegten, was sinnvoll wäre für „handikos" mitzunehmen. Dazu konnte ich Auskunft geben, da ich von MNA schon Hinweise erhalten hatte. Benötigt werden einfache Hygienesets, Unterarmstützen, Inkontinenzmaterial und Rollstühle. Aus der Teilnehmerrunde kamen Vorschläge und Angebote z.B. in Sanitätshäusern u.a. nachzufragen. Kurz vor Abfahrt hatten wir folgende Hilfsfracht zusammen:
3 Rollstühle von der Firma „Pro Reha“, 2 Paar Unterarmstützen, 60 Hygienesets und 3 Pakete Kindersachen.
Die Terminfindung war eine Aktion für sich - trotzdem gelang es letztendlich in Abstimmung mit Dienstverantwortlichen und durch stetiges gemeinsames Ringen um eine Lösung auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen.
Am 13. Mai, nachdem alle Formalitäten geklärt waren, ging es, alles gut verstaut von Großhennersdorf los. Leider konnte Sibille Franke kurzfristig aufgrund der Erkrankung ihres Mannes nicht mitfahren. Zur Unterstützung kam dann noch Rene' Pech mit als Fotograf. Er hatte schon Erfahrung bei verschiedenen Hilfsaktionen in osteuropäische Länder. Von ihm stammen auch die Fotos zu diesem Artikel. In Pockau-Forchheim kam ich hinzu und die nächste Station war Maierhof bei Münchberg, wo wir uns zu mitternächtlicher Stunde mit Ullrich Drechsel, dem Leiter von MNA, trafen. Nach einer Tasse Kaffee setzten wir die Fahrt fort. Am folgenden Morgen frühstückten wir bereits in Österreich und kamen schon am frühen Nachmittag in Venedig an. So hatten wir auch Zeit für einen kleinen Stadtbummel. Danach ging es mit der „Erotokritos" einer Fähre der Minnoanlines nach Igoumenitsa. Die Fahrt aus Venedig bei leichter Abendröte war beeindruckend. Am Abend des nächsten Tages kamen wir in Griechenland an und setzten unsere Reise in Richtung mazedonische Grenze fort. Dort trafen wir am frühen Morgen noch schlafende Zollbeamte an. Der Übergang war nach Beantwortung einiger scheinbar wichtiger Fragen dann doch relativ unkompliziert. So fuhren wir bei schönem Wetter und später auf fast verkehrsfreier Autobahn weiter. An einem idyllischen Rastplatz mit kleiner Kapelle machten wir Pause. Hinter Skopje war der Grenzübergang nach Kosova. Hier nahm man es mit der Kontrolle noch etwas genauer, die Verständigung war schwieriger und wir hatten den Eindruck, es könnte problematisch werden ..., aber bis auf eine zusätzliche Versicherung, die wir abzuschließen hatten, kam es zu keinen Komplikationen. Der Rest des Weges zog sich reichlich in die Länge, da die Straßenverhältnisse immer noch sehr schlecht sind und viele, viele Löcher zu umfahren waren. Wir kamen dennoch ohne Panne und Umweg in Malisheve' an und fuhren zunächst zu den Schweizer MNA-Mitarbeiterinnen nach Carralluka. Sie kamen uns entgegen und wir vereinbarten mit zu dem neuen MNA-Stützpunkt nach Malisheve' zu kommen.
Den weiteren Bericht möchte ich gern Johannes Tittel überlassen der Folgendes berichtet:
Herzlich wurden wir von den MNA-Mitarbeiterinnen begrüßt. Bei einer Tasse Kaffee kam wir mit Ihnen und den kosovarischen Mitarbeitern schell ins Gespräch. Beeidruckend war für mich die herzliche und unkomplizierte Aufnahme, so das wir gleich über wichtige und interessante Situationen und Aufgaben uns austauschen konnten. Für die Übergabe des Fahrzeugs gab es Verschiedenes zu klären, ebenso die Verteilung der anderen Hilfsgüter nahm einige Zeit in Anspruch. So vergingen die wenigen Nachmittagsstunden viel zu schnell. Rene´ Pech nutzte die Zeit um bereits wieder Logistisches für die Rückreise zu klären und sich nebenbei im Ort umzusehen und zu fotografieren. Anschließend fuhren wir noch in angrenzende Dörfer und besuchten dort zwei kosovarische Familien.
Sehr beeidruckend war die Begegnung mit einer ca. 11 -köpfigen Familie, deren jüngstes Kind schwerst geistig behindert ist. Der Vater des Kindes schilderte uns die schweren und für uns kaum vorstellbaren Zustände und Schwierigkeiten die er mit dem Kind erlebt, bzw. von offensichtlich völlig fehlendem oder falschen fachlichen Beratungen.
Obwohl es in Kosova an grundlegenden materiellen und offenbar auch fachlichen Voraussetzungen mangelt (z.B. gibt es keine Einrichtungen der Behindertenhilfe, fehlende allgemeine Informationen über Behinderungen und Verständnis dafür, u.a.), ist es doch erstaunlich und bewundernswert wie diese Familie mit den an sich selbstverständlichen und einfachen Mitteln ihr so schwerstbehindertes Kind im Kreis der Familie annimmt und versucht am alltäglichen Leben teilhaben zu lassen.
Ebenso interessant und eindrucksvoll war die Begegnung mit einer Familie die von den Wirrnissen und Nöten während des Krieges erzählte. Die älteren Angehörigen verbrachten Monate in den Bergen unter schwersten Bedingungen und verloren in dieser Zeit ihr Haus und ihr gesamtes Hab und Gut. Sohn und Schwiegertochter lebten mehrere Jahre in Deutschland und konnten uns gut von den völlig unterschiedlichen Bedingungen und Besonderheiten berichten. Jetzt leben sie alle zusammen in ihrem wieder errichteten einfachen Haus. Auch wenn derzeit nur ein kleiner Hocker, ein paar Tassen und ein Tauchsieder insgesamt als Küche dienen, machten sie auf mich einen doch recht zufrieden Eindruck und waren voller Leben! Am Abend diskutierten wir noch lange mit den MNA-Mitarbeiterinnen Judith und Beate über die derzeitige Situation und die Lebensumstände in Kosova. Dadurch erhielten wir ein gutes und differenziertes Bild über das Land. Nur weil der Körper tatsächlich irgendwann in der Nacht ohne Wenn und Aber den nötigen Schlaf einforderte, mussten wir unsere Gespräche unterbrechen. Wir vereinbarten am nächsten Morgen weiter nach Möglichkeiten der Zusammenarbeit zu suchen.
Trotz der wenigen Zeit vor Ort in Kosova haben wir sehr viel von der Situation erfahren und erlebt.
Regina Kaden berichtet weiter:
Der Rückflug war ebenfalls etwas abenteuerlich. Wir ließen uns von der KFOR innerhalb eines Transportes mit nach Skopje zum Flughafen nehmen. Wegen der Vorschriften und Sicherheitsbestimmungen mussten wir aber dennoch die kosovarisch-mazedonische Grenze zu Fuß überqueren, was uns aber auch ohne Probleme gelang. Auf dem Flughafen in Skopje hatten wir mehrere Stunden Wartezeit und flogen dann mit einer „Trans All„ nach Pensing bei München, wo wir mit einem SIXT-Fahrzeug abgeholt wurden. Am nächsten Tag gegen 5.00Uhr morgens erreichten wir Bautzen, wo mein „Trabbi„ tatsächlich noch da stand, wo ich ihn abgestellt hatte. In einer halben Stunde waren wir wieder in Großhennersdorf.
In der Zwischenzeit konnte noch ein zweiter Bus zur Verfügung gestellt werden.
Es handelt sich um einen Mercedes-Bus, der zunächst von MNA in Deutschland übernommen wurde und später an eine Organisation vor Ort übergeben wird. Die Arbeit in Albanien und Kosova geht weiter.
Bis zu einem nächsten Bericht herzliche Grüße
Regina Kaden
P.S.
INFO vom Vorstand
Der Vorstand ist sehr froh darüber das diese Hilfsaktion stattgefunden hat, vor Ort sehr gut angenommen wurde und auch entsprechend unterstützt wurde.
Auf diesem Weg möchten wir uns besonders beim Landesverband Thüringen und bei Andre Füßlein für die eingegangenen Spenden bedanken.
Wie bereits im Bericht zu lesen war, möchte der Landesverband Sachsen auch in Zukunft dieses Projekt unterstützen. Die Möglichkeiten dazu sollen auf unseren nächsten Mitgliederversammlung am 28.11.01 in Bautzen besprochen werden.
Da dieses Projekt auch in Zukunft fast ausschließlich von Spenden abhängig sein wird, möchten wir für diese Arbeit auch diesmal zu Spenden aufrufen. Diese können wie bisher auf das Konto des LV Sachsen unter dem Stichwort „Kosovo„ eingezahlt werden (s. u.). Ich kann versichern, dass diese Spenden zu 100% dieser Arbeit zu Gute kommen.
Vielen Dank! Im Namen des Vorstandes
Johannes Tittel
Bericht in den HEP-Informationen 4/01
Spendenaufruf!
Im Heft 3/01 berichteten wir von einem Hilfstransport in den Kosovo (s. auch Bild auf der Titelseite).
Nun möchten wir kurz darauf Bezug nehmen wie diese Arbeit weiter geht
und zugleich alle LeserInnen um Unterstützung bitten! Das Fahrzeug
sowie die anderen Hilfsgüter werden mit großer Intensität und Freude
genutzt und sind große Hilfen für die Menschen vor Ort. Regina Kaden
arbeitet seit Juli nun direkt in dieser Region. Dieses Gebiet umfasst
speziell den Süden Kosovos und die Region der Stadt Pogradec in
Albanien. Durch Informationen von Frau Kaden und über die Vertreter der
Hilfsorganisation „Medizinische Nothilfe Albanien“ (MNA) erfahren wir
immer wieder aktuelle Berichte über die Situation vor Ort und vor allem
über die jeweiligen Lebensbedingungen der Menschen. Speziell geht es
dabei, durch das Wirken von Regina Kaden, um die Betreuung und
Förderung geistig behinderter Menschen. So erreichen uns immer wieder
Bitten, dass dringend Hilfe und Unterstützung für diese Arbeit benötigt
wird. Einiges konnten wir in der Zwischenzeit ermöglichen, wie z.B. die
Lieferung von:
- größeren Mengen Tee ( spez. für Heilbehandlungen )
- Förder- und Spielmaterialien (z.B. Gymnastikbälle, Windspiele, Materialien zur Herstellung von Trockenduschen und zur Anwendung der Basalen Stimulation)
Zur Zeit wird eine Lieferung von einer
größeren Mengen Papier, Malstiften u.a. für gestalterische Arbeiten,
sowie spez. Besteck vorbereitet. Wir bemühen uns ständig die nötigen
Materialien zu besorgen, anzuwählen, zu transportieren usw. Besonders
brauchen wir aber vor allem finanzielle Unterstützung, da viele
Materialien neu gekauft werden müssen um sie auch zielgerichtet
einzusetzen. Zudem können wir diese Gelder auch direkt der
Hilfsorganisation (MNA) für ihre vielfältigen Aufgaben zukommen lassen.
Ebenso wird für Kosovo und Albanien Personal benötigt, (derzeit v.a.
Physiotherapeutinnen, aber auch andere „helfende Hände“) um diese
Arbeit weiterführen und ausbauen zu können. Hierbei geht sowohl um
Kurzeinsätze als auch längerfristige Arbeitsmöglichkeiten.
Ebenso wird in Kosovo und in Albanien Personal gesucht, um diese Arbeit
weiterführen zu können und voranzubringen. Hier geht es sowohl um
Kurzeinsätze aber auch längerfristige Arbeitsmöglichkeiten. So werden
für diese Tätigkeiten ausgebildete HeilerziehungspflegerInnen und auch
dringend Physiotherapeutinnen gesucht!
Für alle hier aufgeführten Bereiche möchten wir um Unterstützung und Mithilfe bitten !
Die Menschen im Kosovo und in Albanien sind sehr dankbar für jegliche Hilfe!
Im Namen des Vorstandes Johannes Tittel
