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So fing alles an — der erste Bericht in den HEP-Informationen 4/00


Der Landessverband Sachsen wird künftig nach seinen Mitteln und Möglichkeiten die Behindertenarbeit im Kosovo unterstützen. Zur aktuellen Lage hier ein Text von unserem Mitglied Regina KADEN*:

BEHINDERTENARBEIT IM KOSOVO: Projekte und Probleme


In den letzten beiden Oktoberwochen diesen Jahres hatte ich die Möglichkeit, mich an einem Einsatz der Medizinischen Nothilfe Albanien (MNA) e.V. in Kosova, Distrikt Malischeva zu beteiligen. Kurz etwas zu MNA: Die AG wurde im Sommer 1993 als Projektgruppe von CHRISTEN IM GESUNDHEITSWESEN gegründet und baut zusammen mit dem NEHEMIA Christenhilfsdienst verschiedene medizinische Dienste auf, z.B. fachspezifisch ausgerichtete Ambulanzen, Pflegedienst, Notfallchirurgie unter Einbeziehung von albanischem Fachpersonal.

Nachdem im Frühjahr 1999 hunderttausende Flüchtlinge von Kosova nach Albanien, unter anderem nach Pogradec kamen, dort von MNA medizinisch betreut wurden und im Juli nach dem Einmarsch der NATO zurückgekehrt waren, gab es Überlegungen zu weiterer Unterstützung in der genannten Region, dem „deutschen Sektor“. Es wurde in Karralluka eine Basisstation eingerichtet, von der aus zwei Schweizer Krankenschwestern mit einer Spezialausbildung des Roten Kreuzes für Kosovarinnen „Frauen und Gesundheit“ in den verschiedensten Bereichen arbeiten.

Nach einem Telefonat mit einer der beiden Schweizerinnen stellte sich heraus, dass ich mich in Ihrem Projekt gut einbringen könnte: Mein Hausarbeitsthema von 1998 „Gesundheitsvorsorge durch gesunde Ernährung“ passte zu den Themen ihrer Seminare: Häusliche Krankenpflege, Erste Hilfe, Hygiene, Familienplanung, Säuglingspflege und Gesundheitsvorsorge. Das gab den Ausschlag für den Entschluss zu dieser Reise.

Die Zeit in Kosova war sehr bewegend. Ich sah den begonnenen Wiederaufbau des Landes, erlebte die ersten freien Wahlen, nahm an einer Health Conference der UNMIK (UN-Mission im Kosovo) teil und konnte mich vom Einsatz der deutschen Bundeswehr-Einheit CIMIC sowie anderer Organisationen (ASB, Caritas) im humanitären Bereich überzeugen.

Vor Ort gibt es eine Zusammenarbeit von MNA mit der Organisation für Behindertenhilfe des Landes: „handykos“. In ihrem Auftrag besuchten wir Familien mit behinderten Angehörigen, brachten ihnen Medikamente, Rollstühle und andere Hilfsmittel, Kleidung, Lebensmittel u.a. Im Team waren auch zwei PhysiotherapeutInnen aus Augsburg, die Tipps für rückenschonendes Heben und Anleitung für therapeutische Übungen gaben. Wir lernten die Menschen in ihrer Einfachheit und Herzlichkeit kennen und sahen auch ihre z.T. sehr prekäre Lage. Besonders betroffen gemacht haben uns die Schicksale von Naile (15 Jahre) und Hyrisha (18 Jahre), die seit ihrem 7. Lebensjahr an progressiver Muskeldystrophie erkrankt sind, nur zwei Jahre die Schule besucht haben und in sehr armen Verhältnissen leben.

Die handikos-MitarbeiterInnen von Malisheva benötigen dringend ein geeignetes Fahrzeug, um auch die Familien in den umliegenden Bergdörfern zu erreichen. MNA wird voraussichtlich nur noch bis Ende März 2001 im Land sein, d.h. die derzeitige Kooperation ist dann nicht mehr möglich.

Es war nicht ganz einfach, den Kurs zum Thema „Gesunde Ernährung“ zu erarbeiten. Die Lebensmittelgeschäfte in Kosova sind „voll“, wenn es auch nicht „alles“ gibt. Nur fehlt es am nötigen Geld. So mussten wir nach alternativen Lösungen suchen. Die beiden Kurse in Lladrovc wurden sehr gut besucht. Besonders interessiert waren die älteren Frauen, die im traditionellen Großfamilienverband den jüngeren Frauen mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Mit vielen neuen Eindrücken, Gedanken und in der Hoffnung, einen Weg zu weiterer Hilfe zu finden, trat ich am 29. Oktober von Prishtina aus meinen Rückflug an.

Als Fragen bleiben:

  • Welches Werk / Haus, welche Einrichtung hätte ein geeignetes Fahrzeug (Kleintransporter, auch für Rollstuhl) für handykos?
  • Welche HEP-Schule könnte Albanern und Kosovaren eine gute Ausbildung bieten (gute Dolmetscher vorhanden)?
  • Welche Einrichtung könnte behinderten Menschen von dort mit besonders schweren Nöten einen (zeitlich begrenzten) Aufenthalt ermöglichen?
  • Wer könnte mit einem finanziellen Beitrag helfen (jede Mark hilft)?

Für Fragen zu MNA und zum Projekt Kosova stehe ich gern zur Verfügung:
Regina Kaden, 02747 Großhennersdorf, Kirchgasse 2, Tel.: 035873- 30614

Weiterführende Auskünfte von:
Herr Ullrich Drechsel, 16949 Mansfeld, Dorfstraße 11,
Tel.: 033981-84160, Email: mnaorg@maf.org.

Regina Kaden


Liebe Mitglieder, der Berufsverband Sachsen sieht in dieser Sache dringenden Handlungsbedarf. Wir sollten den Behinderten Menschen in ärmeren Ländern, wenn schon Chancengleichheit unerreichbar fern zu sein scheint, wenigstens in unseren Möglichkeiten stehende Hilfe zukommen lassen.

Unser Landesverband wird alles mögliche versuchen. Dazu braucht er die Unterstützung der Mitglieder, Freunde und Einrichtungen im gesamten Bundesgebiet.

Bitte helfen sie mit, indem sie

  • in ihrem beruflichen und persönlichen Umfeld forschen, ob nicht das eine oder andere Problem im Kosovo (s.o.) gelöst werden kann; und
  • ob sie oder ihre Verwandten oder Bekannten nicht die eine oder andere Mark für unsere behinderten Freunde im Kosovo aufbringen könnte.
  • Der Berufsverband Sachsen wird die Koordination der humanitären Hilfe übernehmen und bürgt für ein faires und sauberes Procedere.

Torsten Schönfelder, Vorsitzender des Berufverbandes Sachsen


*Zur Verfasserin:
Regina Kaden, Heilerziehungspflegerin, Ausbildung in Großhennersdorf an der dortigen Evangelischen Fachschule;
Jetzt Mitarbeiterin im Katharinenhof Großhennersdorf in einem Wohnheim an der WfB;
1998 erster Einsatz mit MNA in Pogradec/Albanien