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01.03.2012 MGV OV Stetten
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Fachtagung 2004

KOMMUNIKATION

Nicht sprechen können, heißt nicht, nichts zu sagen zu haben Kloster St. Marienthal in der Oberlausitz
27.09. - 29.09.2004

Auszüge der Vorträge / Workshops

Alle Beiträge werden in den HEP-Informationen 4/04 komplett abgedruckt
Diese können - soweit noch vorrätig - bei der Bundesgeschäftsstelle bestellt werden

Workshop I
Foto Günter Blesch

Dipl. Psychologe Günter Blesch

Die Sprache der Hände Erwerb und Anwendung der Gebärdensprache bei nicht sprechenden Menschen mit Down-Syndrom und Menschen mit geistiger Behinderung

Auch Menschen mit fehlenden oder mit eingeschränkten lautsprachlichen Möglichkeiten haben das Recht und den Wunsch, ihre Bedürfnisse angemessen zu äußern. Vielen bleibt letztlich nur die Möglichkeit, sich mittels Verhaltensweisen effektiv mitzuteilen, die wir allzu oft als "Störungen"s bezeichnen und wegtherapieren wollen. Eine Alternative dazu bieten sowohl technische Hilfen (z. B. Sprech- und Schreibgeräte) als auch der Einsatz der Gebärdensprache. Anhand von Erfahrungsberichten bei über 50 nichtsprechenden autistischen und geistig behinderten Menschen werden sowohl die Ziele als auch die Voraussetzungen, die Förderansätze und die Ergebnisse beim Erwerb und in der alltäglichen Anwendung von Gebärden dargestellt. Das sensible Hineindenken in die Begriffswelt und in die besonderen Interessen der Betroffenen ist hierbei genauso wichtig wie der alltägliche Rahmen, in dem die Kommunikation gelingen soll.

I. Einleitung

Die Verbesserung der Kommunikationsmöglichkeiten nichtsprechender autistischer und geistig behinderter Menschen ist das Thema zahlreicher Veröffentlichungen und Entwicklungen in den vergangenen Jahren. Zum einen haben die Grenzen des herkömmlichen Sprach- und Artikulationstrainings für diese Menschen alternative Kommunikationsformen notwendig gemacht, zum anderen hat die Entwicklung technischer Hilfsmittel neue Möglichkeiten eröffnet. (...)

2. Situation nichtsprechender geistig behinderter Menschen

Etwa ein Drittel der autistischen und geistig behinderten Menschen kann nicht sprechen. Viele von ihnen verstehen jedoch die gesprochene Sprache und auch sprachliche Anweisungen, die mit optischen, situativen oder gestischen Hinweisen gekoppelt sind. Sich mitteilen zu können ist ein Grundrecht, das zur Verbesserung der Lebensqualität dieser Menschen entscheidend beitragen kann. Des öfteren kommt es mangels geeigneter Ausdrucksmöglichkeiten zu apathischen und resignativen Verhaltensweisen oder zu sehr massiven Verhaltensauffälligkeiten.
(...)

3.1 Gebärdenkommunikation

Viele auffällige und belastende Verhaltensweisen können durch eine angemessene Gebärdenkommunikation ersetzt werden. Hierbei unterscheiden wir folgende Schritte:
• Ein erstes Ziel unserer Arbeit besteht darin, genau zu beobachten, was uns die nichtsprechenden Menschen zu "sagen" haben.
• In einem zweiten Schritt gilt es, dieses Kommunikationsangebot aufzugreifen und eine dafür angemessene Gebärde auszuwählen.
• Dann wird entschieden, in welcher Situation die Gebärde gelernt werden soll. Hier gibt es mehrere Möglichkeiten:
— Einzelförderung in einem speziell therapeutischen Rahmen,
— Erwerb der Gebärde in der natürlichen Alltagssituation,
— Erwerb der Gebärde gemeinsam in einer Gruppe.

3.2 Einzelförderung oder Lernen in der Kleingruppe?

Beide Vorgehensweisen können sowohl unabhängig voneinander als auch aufeinander aufbauend angewendet werden. Viele der besonders schwer geistig behinderten Menschen hätten ohne gezielte Einzelförderung die Gebärden nicht gelernt. Zum Teil können sie diese aber jetzt in der Gruppe und untereinander anwenden. Das Erlernen der Gebärden in der Gruppe ist zu Beginn der Förderung nur dann möglich, wenn die Lernenden Blickkontakt aufnehmen und imitieren können. Denn nur dann findet ein Modellernen statt.
Insbesondere bei geringen Voraussetzungen ist zunächst der Einstieg über eine Einzelförderung sinnvoll. (...)
Sehr wichtig sind deshalb die Absprachen zwischen therapeutischen Diensten und den Bezugspersonen im Alltag. Wo es möglich ist, sollten die Gebärden in der natürlichen Lebenssituation der Betroffenen direkt erlernt werden. Der Erwerb der ersten Gebärden bis hin zur Verwendung von Gebärdensätzen im Alltag wurde in Form eines Videofilms dokumentiert.
Verschiedene Vorgehensweisen und Arbeitsmaterialien, die für das Erlernen der Gebärdensprache wichtig sind, werden in dieser Dokumentation bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen aufgezeigt. Es bleibt festzuhalten, dass auch bei Erwachsenen geistig behinderten Menschen die Gebärdensprache eine sinnvolle Erweiterung der kommunikativen Kompetenz darstellt (Müller 1987). Die Gebärdensprache kann sowohl ein lautsprachersetzendes als auch ein lautsprachunterstützendes System darstellen. Bei einigen nichtsprechenden Menschen können Gebärden zum Sprechen hinführen und dann sogar überflüssig werden.

6. Ausblick

Die Kommunikation mit Gebärden ist für viele Menschen, die nicht sprechen können, ein elementarer Teil ihrer Persönlichkeit geworden. Für einige ist sie zur Alternative für schwierige und belastende Verhaltensweisen geworden, während andere mit Gebärden Wünsche und Gefühle ausdrücken, Fragen stellen, etwas beschreiben, um Hilfe bitten oder eine zu schwierige Aufgabe angemessen ablehnen. Ihre Grenzen hat diese Kommunikationsform dort, wo es für die Betroffenen immer noch effektiver erscheint, sich über Handeln durchzusetzen.
Auf keinen Fall sollte dieses Kommunikationssystem eingesetzt werden, wenn die Voraussetzungen fehlen. Bei diesen Menschen können basale, körperorientierte Kommunikationsformen sinnvoll sein. Schädliche Auswirkungen auf die Entwicklung der Lautsprache sind auch bei jungen Behinderten mit guten Artikulationsansätzen nicht zu erwarten. Rigide Kommunikationsstrukturen, bei denen der Behinderte passiver Empfänger von Gebärdenanweisungen bleibt bzw. ihn einschränkende Lebensformen erweisen sich als ungünstig. Selbstverständlich scheint auch die mangelnde Gebärdenkenntnis des Kommunikationspartners eine "Sprach-Barriere" zu sein, die allerdings schnell überwunden wird, wenn er grundsätzlich bereit ist, von behinderten Menschen etwas zu lernen.
Schließlich erfüllt es auch die nichtsprechenden Menschen mit Stolz, uns ihre Sprache zu lehren.

Workshop II
Foto Winfried Mall

Dipl. Heilpädagoge Winfried Mall

Basale Kommunikation - Wechselseitigkeit erleben ohne Voraussetzungen

Fachtagung 2004 Folie2Fachtagung_2004_Folie2
Fachtagung 2004 Folie3
Workshop III
Foto Elli Eberhard

Dipl. Heilpädagogin Elli Eberhard
Diplom-Psychologe Reinhard von Rekowski

Kommunikation in Teams

Definition und Differenzierung von "Kommunikation":
In einer neutralen, gleichsam "technischen" Ausdrucksweise gesprochen, bedeutet Kommunikation im weitesten Sinne die Übermittlung von Information, wobei "Übermittlung" ein formales Strukturmoment, "Information" ein inhaltliches Moment bezeichnet. Der Begriff "Übermittlung" setzt (mindestens einen) "Sender" und (einen oder mehrere) "Adressaten" der Information (= Empfänger) voraus. Zeichen werden vom "Sender" codiert, d.h. mit Sinn unterlegt, sie werden vom "Empfänger" decodiert, d.h. ihr Sinn wird entschlüsselt.
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Differenzierung des Kommunikationsbegriffs:
Der Begriff Kommunikation läßt sich in dreifacher Weise differenzieren. Wir können unterscheiden:
• mündliche und schriftliche Kommunikation
• direkte und indirekte Kommunikation
•Massenkommunikation und (interaktive) Alltagskommunikation
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Die Grundlagen der Kommunikation:
• Sprache, Wortschatz und Satzbau
• Stimme und Sprechweise
• Gestik und Mimik
•Körpersprache und Erscheinungsbild
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Teams:
• Teams arbeiten mit klar definierten Zielen
• Alle Mitglieder übernehmen Verantwortung für die Zielerreichung
• Die selbst gesetzten Leistungsstandards sind hoch
• Persönliche Ziele und Leistungsziele stehen nicht im Widerspruch zueinander
• Teammitglieder erkennen sich gegenseitig an und bringen Verständnis füreinander auf
• Der Kommunikationsstil erlaubt eine große Offenheit der Mitglieder (...)

Workshop IV
Foto Firma KomRat

Firma KomRat

Elektronische Kommunikationshilfen

Leider liegt uns kein bericht vor

Workshop V
Foto Annemarie Sellin

Dipl. Psychologin Annemarie Sellin

Gestützte Kommunikation

Die "Gestützte Kommunikation" wurde Ende der 70er Jahre von der australischen Pädagogin Rosemary Crossley für Menschen mit schwerer cerebraler Cerebralparese entwickelt. Wegen der gestörten Koordination ihrer Hand- und Fingerbewegungen wird diesen Menschen eine physische Unterstützung gegeben, sie können so auf Buchstaben zeigen und sich sprachlich ausdrücken. Zur Kommunikation werden Buchstabentabellen, Schreibmaschinen oder Computer benutzt.
Es zeigte sich, dass diese Methode auch eine geeignete Möglichkeit ist für nicht sprechende Menschen ohne sichtbare gestörte Motorik - wie zum Beispiel autistisch behinderte Menschen. Rosemary Crossley nimmt an, dass für Menschen, die Kommunikationsprobleme haben, diese Schwierigkeiten im Grunde nicht im kognitiven Bereich liegen, sondern eher Ausdruck einer Art Apraxie sind. Das heißt, dass viele Menschen mit Entwicklungsbehinderungen große Schwierigkeiten haben, sich auszudrücken und ihre Ideen und Absichten mündlich zu äußern .
Mit Hilfe der "Gestützten Kommunikation" können diese Menschen auf Buchstaben zeigen und somit Wörter, Silben und Sätze konstruieren. Diese Methode erfordert eine anfängliche "Hand-auf-Hand" oder "Arm-auf-Arm" Unterstützung, eventuell Hilfestellung bei der Isolierung des Zeigefingers und durch ermutigende Worte wird ein Gefühl der Sicherheit vermittelt.
Mit der Zeit kann die körperliche Unterstützung entweder vollständig wegfallen oder nur noch durch eine Berührung mit einer Hand auf der Schulter erfolgen. In Deutschland wird die Methode systematisch seit 1990 angewendet. Seit 2000 gibt es das FC-Netz Deutschland, das Stützerausbildung anbietet.
Gestützte Kommunikation ist eine Kommunikationsmethode aus dem Bereich der Unterstützten Kommunikation.
(...)

Was ist gestützte Kommunikation oder FC? Definition

Zur Gestützten Kommunikation (FC = Facilitated Communication, to facilitate = erleichtern) gehören 2 Personen: die schreibende und die stützende Person (FC-User oder FC-Speaker und Facilitater oder Stützer)
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Der Schreiber:
Zeigt auf Bilder oder Buchstaben. Die Bewegung und der Impuls gehen vom Schreiber aus. Die Bewegung muss folgende Kriterien erfüllen:
a) die Bewegung muss gezielt sein, sie darf nicht diffus sein
b) die Bewegung muss eindeutig sein, das heißt, sie muss eindeutig auf einen Buchstaben, Bild oder Gegenstand zeigen. Die Antwort muss nicht richtig sein.
Der Stützer: begleitet die Bewegung des Schreibers, indem er anfangs mit seiner Hand die Hand des Schreibers stützt, eventuell den Zeigefinger isoliert. Später ist in der Regel nur die Stütze des Unterarmes, des Ellenbogens, Oberarmes oder der Schulter notwendig. Der Stützer wird vom Schreiber geführt. Darum muss die Bewegung des Stützers immer langsamer sein als die Bewegung des Schreibers.
a) Wenn keine gezielte eindeutige Bewegung vom Schreiber kommt, ist Gestützte Kommunikation nicht möglich.
b) Wenn der Stützer die Bewegung des Schreibers initiiert, lenkt oder die Richtung korrigiert, ist es keine Gestützte Kommunikation.
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Welchen Personen sollte man die Gestützte Kommunikation anbieten?

FC ist entwickelt worden für Menschen mit cerebraler Paräse, die sich lautsprachlich nicht äußern können. Darüber hinaus hat sich die Methode als geeignet erwiesen für Menschen, die in ihrer mündlichen Sprache beeinträchtigt sind, die wenig sprechen können, die nicht adäquat kommunizieren können (Echolalie, Wiederholungen) oder stumm sind. Die Gestützte Kommunikation sollte diesen Menschen angeboten werden.
Sinnvoll ist es immer FC anzuwenden, wenn durch diese Methode ein höheres Kommunikationsniveau erreicht wird. Wenn jemand durch die Stütze "Ja" und "Nein" eindeutig ausdrücken kann und dies ohne Stütze nicht möglich war, dann ist der Einsatz von FC gerechtfertigt, weil es eine Verbesserung der Kommunikation darstellt.
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Was versteht man unter "Unterstützter Kommunikation"?

Der englische Begriff "Augmentative and Alternative Communication" (abgekürzt: MG) wurde im Deutschen mit "Unterstützte Kommunikation" (abgekürzt: UK) übersetzt.
Definition: Unterstützte Kommunikation zielt darauf, die Kommunikationsmöglichkeiten von Menschen mit schweren Kommunikationsstörungen zu verbessern, indem ihnen Hilfsmittel, Techniken und Strategien zur Verfügung gestellt werden, welche die Lautsprache ergänzen (augmentativ) oder ersetzen (alternativ). Augmentative und alternative Kommunikation (U nterstützte Kommunikation) ist der Sammelbegriff für alle nonverbalen Kommunikationsstrategien, die bei hörfähigen Menschen angewendet werden (d.h. Abgrenzung zur Gehörlosenpädagogik! ).
Die Gesellschaft für Unterstützte Kommunikation e.V. ISMG (International Society for Augmentative and Alternative Communication) bietet Informationen, Fortbildungen, Literatur und Beratung für den Bereich Unterstützte Kommunikation. Ausführliche Informationsmappe kann bei

ISAAC Deutschland-Gesellschaft für Unterstützte Kommunikation e.V.,
c/o Susanne Bünk,
Pfarrer Dr. Hoffmann Str. 5a,
53343 Wachtberg - Adendorf,
E-Mail: geschaeftsstelle@isaac-online.de

angefordert werden. (...)